H
at er es getan? Wird er es wieder tun? Ist sie schuldfähig? Ist dieser Sterbewunsch freiverantwortlich?
Solche Fragen sind notwendig, sie schaffen Orientierung und ermöglichen Entscheidungen.
Menschen sind jedoch selten so klar und eindeutig wie die Fragen, die an sie gestellt werden.
Vielleicht interessiert mich die gutachterliche Arbeit gerade deshalb. Weil sie dort beginnt, wo einfache Antworten nicht mehr ausreichen. Hinter einer Tat, einer Entscheidung, einem Sterbewunsch oder einer psychischen Krise stehen meist Lebensgeschichten, Konflikte und Erfahrungen, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen.
Ziel eines Gutachtens ist es daher nicht, Menschen auf eine Fragestellung zu reduzieren. Vielmehr geht es darum, einen Menschen in seiner individuellen Geschichte zu verstehen und psychologische Zusammenhänge so präzise darzustellen, dass daraus nachvollziehbare und verantwortungsvolle Entscheidungen entstehen können.
In meiner beruflichen Arbeit habe ich nur sehr wenige Lebensgeschichten kennengelernt, die sich auf eine einfache Erklärung reduzieren ließen. Was auf den ersten Blick offensichtlich erscheint, gewinnt eine andere Bedeutung, wenn man die biografischen, psychischen und sozialen Zusammenhänge näher betrachtet.
Mein Blick richtet sich daher nicht nur auf das, was ein Mensch getan hat, sondern auch auf die Lebensgeschichte, Konflikte, Beziehungen und inneren Dynamiken, die zu diesem Handeln beigetragen haben. Mein Anspruch ist es, psychische Zusammenhänge differenziert zu erfassen und nachvollziehbar darzustellen, gerade dort, wo einfache Antworten der Komplexität eines Menschen nicht gerecht werden.